Was haben der 23. April und das Reinheitsgebot für deutsches Bier miteinander zu tun? (22.04.2011)

Feature zum Tag des Deutschen Bieres

- Hintergründe und Wissenswertes -

Es ist die älteste Lebensmittelverordnung der Welt – doch ist sie heute aktuell wie nie: das Deutsche Reinheitsgebot, nach dem die deutschen Brauer auch heute noch ihr Bier brauen, verspricht seit Jahrhunderten besten Verbraucherschutz mit fest vorgegebenen Zutaten und einer unvergleichlichen Reinheit.

Der Erlass von Herzog Wilhelm IV. aus dem Jahr 1516 ist längst ein Inbegriff für die Qualität deutscher Biere.

Der bayerische Herzog forderte vor 495 Jahren: Zum Brauen sollten nur wenige natürliche Zutaten verwendet werden dürfen. Er wollte damit dem Experimentieren mit verschiedensten Beiga-ben beim Bierbrauen den Garaus machen. Waren doch die Menschen im Lauf der Zeit auf die abenteuerlichsten Ideen gekommen, um ihrem Bier einen besonderen Geschmack zu verleihen oder es haltbarer zu machen: Vom Zusatz von Kräutern ist zu lesen, von Ruß (für Dunkelbier), von Kreidemehl (um sauer gewordenes Bier wieder genießbar zu machen) und sogar von Stechapfel und Fliegenpilz wird berichtet – als besondere geschmackliche Verfeinerung mit aphrodisierend benebelnder Wirkung.

Vom Hosenbodentest zum geschlossenen Qualitäts- und Sicherheitssystem

Am 23. April 1516 setzte der Herzog auch zum Eigenschutz einen Schlussstrich unter das unkontrollierbare und nicht nachvollziehbare Treiben und legte in Ingolstadt fest, dass in seinem In Deutschland gebrautes Bier darf nur aus Wasser, Hopfen und Gersten bestehen. Die Hefe war vor fast 500 Jahren nicht als solche bekannt, auch wusste keiner von ihrer Funktion, wohl aber von der Wirkung des ‚Zeugs’, das von den Bäckern genutzt wurde und zur Alkoholisierung des Biers führte. Mitunter beeinflussten auch Hefesporen aus der Luft die Gärung. Erst später gelang es, Hefe zu züchten und damit auch eine gleichbleibende Qualität des Bieres sicherzustellen.

Fest steht, dass in den Zeiten vor dem Erlass des Reinheitsgebotes Bier auf seine Qualität geprüft wurde. Die verschiedenen praktischen Verfahren können jedoch nicht unbedingt als wissenschaftlich bezeichnet werden. Die wirkungsvollste Methode des 15. und 16. Jahrhunderts war eine Bank mit Bier zu bestreichen und die amtlichen Prüfer in ihren ledernen Hosen drei Stunden darauf still sitzen zu lassen. Auf Kommando wurde dann aufgesprungen und Folgendes überprüft: Blieb die Bank an der Hose kleben, war das Bier nicht zu beanstanden. Blieb die Bank jedoch stehen, wurde der Brauer anschließend für die schlechte Qualität des Bieres bestraft.

Wenngleich sich die Zeiten geändert haben, ist doch das Reinheitsgebot noch heute gültig. Deutsches Bier darf auch zu Beginn des dritten Jahrtausends nur vier reine Zutaten enthalten: Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Keine Geschmacksverstärker, keine Farbstoffe, keine Konservierungsstoffe. Und es hat nichts an Aktualität verloren in Zeiten, in denen regelmäßig neue Lebensmittelskandale aufgedeckt werden.
 
Heute werden alle Phasen des Bierbrauens – von der Anlieferung des Malzes bis zur Abfüllung und dem Weitertransport in den Handel und die Gastronomie durch zusätzliche qualitätssichernde und -steigernde Maßnahmen im Bereich der Umwelt-, Produkt- und Produktionshygiene, durch bauliche Maßnahmen, umfangreiche Produktkontrollen sowie sorgfältige Lagerung und Transport abgesichert. Die deutsche Brauwirtschaft praktiziert somit ein geschlossenes Qualitäts- und Sicherungssystem vom „Halm zum Glas“ bzw. vom „Halm zum Fass“. Anforderungen der Lebensmittelüberwachungsbehörden und der EU, die künftig für die gesamte Lebensmittel-wirtschaft gelten, trägt die deutsche Brauwirtschaft bereits heute Rechnung.

Mehr als 5.000 verschiedene Biere werden in Deutschland nach diesem Qualitäts- und gebraut. Dass die Geschmacksvielfalt so groß ist, liegt an vielen verschiedenen Faktoren, wie an der Rezeptur, am Brauwasser, an der Getreidesorte und wie diese gemälzt, d.h. veredelt wurde, und nicht zuletzt auch am Fingerspitzengefühl des Braumeisters.

Veranstaltungen, Frühschoppen und andere Aktivitäten am 23. April

Das Reinheitsgebot ist - wie bereits erwähnt – eine der weltweit ältesten, heute noch gültigen Lebensmittelverordnungen zum Schutz der Verbraucher und einzigartiges Qualitätsmerkmal deutschen Bieres.

Einmal im Jahr erinnern die deutschen Brauer und deren Partner an den Tag des Erlasses. Tra-ditionell werden rund um den „Tag des Deutschen Bieres“ verschiedenste Veranstaltungen durchgeführt, um mit Kundinnen und Kunden, Gästen und Freunden zu feiern. So gibt es Bierpartys, Brauereifeste, Lesungen, Jazzfrühschoppen. Bierrätsel locken mit attraktiven Preisen, historisches Bierbrauen wird gelehrt, Kellner-Wettbewerbe, Brauereibesichtigungen und natürlich Bierdegustationen durchgeführt.

Deutsche Tradition und einzigartige Genusskultur

Das nach dem Reinheitsgebot gebraute deutsche Bier steht, wie kaum ein anderes Attribut für Deutschland. Überall in der Welt ist das Nationalgetränk der Deutschen für seinen Geschmack bekannt und gleichermaßen beliebt. Die Einhaltung des Reinheitsgebotes ist für deutschen Brauer mehr als eine Vorschrift, sie ist eine über mehrere Jahrhunderte hinweg gewordene Selbstverständlichkeit der Zunft. Nicht nur in den Köpfen und Rezepten der Brauer hat sich dieser eherne Grundsatz verfestigt, sondern wird auch bei den Biergenießern in aller Welt geschätzt.

Das deutsche Bier feiert Geburtstag – feiern Sie mit, wo auch immer in der Welt Sie sich derzeit aufhalten!

Quelle: Pressemeldung Deutscher Brauer-Bund e.V.

Team Szene-Drinks.com
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